Geld anlegen für Anfänger

Langfristiges gewinnbringendes Anlegen überschüssiger finanzieller Mittel ist eine eigene Kunst. Vor allem Anfängern passiert es, dass sie dabei gelegentlich in Fettnäpfchen treten und die Inflation am Ende ihre Ersparnisse auffrisst, wenn nicht schon das Börsenrisiko dafür gesorgt hat. Die Ratschläge in diesem Beitrag stammen aus der Ausbildung für Finanzmathematiker und sind eigentlich Anfängertipps für angehende Bankberater und Fondsmanager. Dennoch können auch private Anleger, die als Einsteiger richtig vorgehen wollen, von ihnen profitieren.

Grundbegriffe der Geldanlage

Bevor wir uns konkreten Tipps zuwenden, sollte im Vorfeld die Bedeutung gewisser Vokabel geklärt werden. Ihre Kenntnis wird bei weiteren Recherchen oder einem späteren Gespräch mit dem Bankberater hilfreich sein. Mit den folgenden Begriffen werden außerdem wichtige Grundsätze für das eigene Depot oder Sparbuch vermittelt: Rendite, Risiko und Portfolio.

Rendite

Kurz und knapp erklärt, handelt es sich bei der Rendite um Einkünfte, die durch das angelegte Kapital erzielt werden. Viele kennen diese Zahl von den Zinssätzen der Sparbücher. Der dort angeführte Wert beschreibt nämlich die Rendite. Des Weiteren spielt sie im Sinne von Rentabilität bei der Analyse von Investitionen in bzw. von Unternehmen eine bedeutende Rolle. Sie wird errechnet, indem der Gewinn durch Kapitaleinsatz geteilt wird. Dieselbe Formel gilt auch für die Errechnung der eigenen Sparbuchzinsen.

Natürlich liegt es nun in jedermanns Interesse eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Dies ist aber nicht ohne ein dementsprechendes Risiko möglich. Beim Sparbuch beispielsweise, gibt es eine Einlagensicherung, kein unternehmerisches Risiko und auch keine Kursverluste – außer vielleicht aufgrund der Inflation. Dafür sind aber auch die Zinsen gering.

Risiko

Wir wissen jetzt, dass Rendite und Risiko eng miteinander verknüpft sind. Diese Erkenntnis ist in weiterer Folge auf die Finanzmärkte und deren Wertpapiere übersetzbar. Hier werden zwei Arten von Risiken unterschieden.

Unsystematisches Risiko

Darunter wird im Kontext des Capital Asset Pricing Models, kurz CAPM, bzw. der Portfoliotheorie derjenige Teil des Risikos verstanden, welcher durch Diversifizierung des Wertpapierportfolios gesenkt werden kann. Es kann sich zwar durchaus rentieren Geld in einzelne Aktien zu investieren, dennoch sollte diese Strategie – vor allem, wenn man Anfänger ist und nur über ein geringes Kapital verfügt – gemieden werden.

Renditen sowie Risiko sind demnach nur dann planbar, wenn man nicht sein gesamtes Vermögen auf ein Pferd setzt. Stattdessen empfiehlt sich die Anlage eines individuell abgestimmten Portfolios.

Systematisches Risiko

Im Gegensatz zur oben genannten Risikoart, bezieht sich das systematische Risiko auf Anlageverluste, welche nicht mittels Diversifikation eliminiert werden können. Es wird ebenso als Marktrisiko bezeichnet und umfasst unter anderem Aktien-, Immobilien-, Wechselkurs- und Zinsrisiken.

Portfolio

Seit der Finanzwissenschaftler Markowitz in den 1950ern diesen Begriff prägte, ist er in aller Munde. Ohne hier auf die mathematischen Grundsätze einzugehen, steht die Portfoliotheorie für die Sinnhaftigkeit der Diversifikation bzw. Kapitalstreuung. Das heißt, Vermögensbeträge werden nicht vollständig in eine Einzelanlage investiert, sondern auf unterschiedliche Anlageformen verteilt. Das gilt sowohl für diejenigen Personen, die sich einem geringen Risiko zu einer gegebenen Rendite aussetzen wollen sowie für jene, die eine relativ hohe Rendite zu einem gegebenen Risikolevel erzielen wollen.

So erstellst du dein Portfolio

Obwohl es Anlageformen mit enormen Gewinnversprechen gibt, sollten diese mit großer Vorsicht genossen werden. Beim Roulette ist zum Beispiel eine Rendite von 3600% möglich. Dennoch würde wohl niemand sein gesamtes Vermögen auf eine Zahl setzen! Gib dich stattdessen mit realistischen Einschätzungen von circa 5% bis 10% zufrieden.

Bei ausreichend Kapital bevorzugen österreichische Anleger das Investment in Immobilien, denn sie gelten als der sicherste Hafen für das eigene Vermögen. Allerdings muss für den Kauf von Grundstücken, Wohnungen oder Häusern erst einmal viel gespart werden. Im Folgenden zeigen wir auf, wie man mit dieser Geldanlage zum gewünschten Ziel gelangt.

Schritt 1: Sichere Geldanlage durch Vielfalt

Sobald das erste, für die Anlage bestimmte Kapital zur Verfügung steht, entscheiden sich viele Österreicher für einen Bausparvertrag bei ihrer Bank. Dies ist mit einem geringen Aufwand von 100 Euro pro Monat verbunden. Zusätzlich kommen die Zinsen sowie die staatliche Prämie hinzu. Letztere wird für 1.200 Euro pro Jahr gewährt. Die Einzahlung höherer Beträge in den Bausparvertrag gilt nicht als lukrativ.

Neben dem obligatorischen Bausparvertrag werden moderne Sparkonten zu einer smarten Anlagestrategie gezählt. Während auf einem Tagesgeldkonto höchstens zwei Monatsgehälter liegen sollten, empfiehlt sich auf dem Festgeldkonto eine Einlage in der Höhe von 5.000 bis 10.000 Euro. Da Festgeld zumeist auf fixer Verzinsung basiert, wird geraten diese Investition mit einer Laufzeit von maximal 48 Monaten zu tätigen, da sich in vier Jahren durchaus der Leitzins ändern kann. Bei den meisten Konten dieser Art geht nämlich der Zinseszins-Effekt verloren, sofern die Auszahlungen nicht erneut veranlagt werden.

Bei der Auswahl der Sparkonten sind folgende Grundsätze zu beachten:

  • Vermeide Kontoführungsgebühren.
  • Vergleiche die Zinssätze der Anbieter mittels Rechner.
  • Beachte die Einlagensicherung.
  • Prüfe die Minimal- und Maximalsummen.

Schritt 2: Fonds

Hat man erst einmal genug Kapital in Sparkonten und den Bausparvertrag investiert, kann das Portfolio ruhigen Gewissens mit Fonds und ihrer wesentlich höheren Rendite erweitert werden. Sie sind natürlich mit gewissen Verlustrisiken verbunden, doch auch Gold, welches in Krisenzeiten immer schon als sicherer Hafen galt, kann gleichermaßen risikobehaftet sein.

Eine Fondsgesellschaft bietet oft mehrere Produkte unterschiedlichen Risikogrades an. Meist verbirgt sich dahinter dasselbe Portfolio aus Wertpapieren bzw. Aktien, wobei, je nach Risikoaversion, zu entsprechenden Anteilen in die jeweiligen Anlageformen investiert wird.

Die Vorgehensweise kann entsprechend der Tobin Seperation so aussehen:

  • Hohe Risikoaversion: 70% in risikolose Anlage – 30% in Marktportfolio
  • Mittlere Risikoaversion: 50% in risikolose Anlage – 50% in Marktportfolio
  • Niedrige Risikoaversion: 30% in risikolose Anlage – 70% in Marktportfolio

Manche Anleihen weisen derzeit eine Negativrendite auf, was die Bezeichnung “sichere Geldanlage” in einem gänzlich neuen Licht erscheinen lässt. Der Sinn und Zweck des Sparens liegt eben auch darin, das investierte Kapital gegen die Inflation abzusichern, und dafür sind nunmal höhere Renditen sowie ein gewisses Maß an Risiko notwendig.

Frage deinen Bankberater ebenso nach Indexfonds. Da Banken weniger an Index-Produkten verdienen, werden diese Privatkunden fast gar nicht angeboten und finden sich nur selten in Katalogen. Dabei bilden sie den kompletten Markt, zum Beispiel ATX oder DAX, ab und sind daher ein Musterbeispiel an praktisch ausschließlichem systematischen Risiko.

George S. Clason

Geld ist für diejenigen reserviert, die die Gesetze des Kapitals kennen und einhalten.

Schritt 3: Aktien und Gold

Wir raten an dieser Stelle nicht, das Sparguthaben sofort in Aktien anzulegen. Selbstverständlich geht Sicherheit vor! Ein entsprechender Kapitalstock sollte daher bereits in Sparkonten, einen Bausparvertrag und in einen Fonds investiert worden sein. Wenn also in den ersten beiden Schritten zum Beispiel 30.000 Euro oder mehr angelegt wurden und weitere 10.000 Euro verfügbar sind, dann macht die Einrichtung eines Aktiendepots zum Zwecke der Streuung und damit auch zur Absicherung des Vermögens durchaus Sinn. Diese Vermögensaufteilung ist jedoch nur dann effizient gestaltbar, sofern Optionen mit unterschiedlichem Risikograd miteinander kombiniert werden.

So gehört laut Experten ein Goldanteil von bis zu 20% unbedingt in ein gut diversifiziertes Portfolio. Das Edelmetall reagiert nämlich abgeschwächt oder positiv auf Ereignisse, die negativen Einfluss auf den Kapitalmarkt haben. Dadurch reduziert Gold Kursschwankungen. Ist jedoch der Inflationsanstieg gering und wird zusätzlich von den Notenbanken durch eine Zinsenanhebung kompensiert, dann ist es als Sicherungsinstrument weniger geeignet.

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