Lebensversicherung

Ob als finanzielle Absicherung für die Hinterbliebenen im Todesfall, als Pensionsvorsorge, als Besicherung für Kredite oder Tilgungsträger – Lebensversicherungen zeichnen sich durch vielseitige Einsatzmöglichkeiten aus. Wir zeigen die Pros und Contras von Lebensversicherungen auf und verraten, worauf du vor und nach Vertragsabschluss unbedingt achten solltest.

Vorteile von Lebensversicherungen

Prämienzahlungen in eine Lebensversicherung dürfen in einem bestimmten Maße von der Steuer abgesetzt werden, jedoch nur dann, wenn später die Auszahlung in Form von Rentenzahlungen erfolgt. Aufgrund der Lohnsteuerreform 2016 ist die Berücksichtigung bei den Sonderausgaben ausschließlich für bestehende Verträge und explizit für die Jahre 2016 bis 2020 möglich.

Nachteile von Lebensversicherungen

Die Gewinnbeteiligung bei Lebensversicherungen ist unverbindlich, was einen Nachteil darstellt. Zudem lassen sie nur eine sehr geringe Flexibilität zu: Wird Kapital während der Laufzeit benötigt, geht das oft mit hohen Verlusten einher. Grund dafür ist, dass die Verwaltungskosten des Versicherers sowie die Prämienanteile für den Ablebensschutz unwiederbringlich sind. Neben der stattlichen Vermittlungsprovision des Verkäufers, besteht ebenso lange Kapitalbindung.

Wann macht Lebensversicherung keinen Sinn?

Wem es vor allem darum geht, die Hinterbliebenen im Todesfall abzusichern, dem reicht eine reine Risikoversicherung anstelle einer gemischten Er- und Ablebensversicherung gänzlich aus. Der Vorteil dabei ist, dass erstere für eine höhere Versicherungssumme sowie einen kürzeren Zeitraum abgeschlossen werden kann, was bei einer Lebensversicherung nicht möglich ist. Damit kann sie auch der aktuellen Lebenssituation besser angepasst werden.

Darauf solltest du beim Vertragsabschluss unbedingt achten

Eine Lebensversicherung bedeutet gleichzeitig ein langfristiges finanzielles Engagement wie auch eine langjährige vertragliche Bindung. Bevor du dich also für einen Anbieter oder ein bestimmtes Produkt entscheidest, solltest du vorab genaue Informationen einholen und sämtliche offene Fragen klären.

Für welche Versicherungsart entscheidest du dich?

Lebensversicherung ist nicht gleich Lebensversicherung. Das ist vielen oft nicht bewusst. Umso wichtiger ist es, die Angebote bis ins letzte Detail zu prüfen:

  • Handelt es sich um eine Er- und Ablebensversicherung? Dann gibt es Geld sowohl während der Lebenszeit (Erleben) wie auch im Todesfall (Ableben).
  • Wenn es sich um eine Ablebensversicherung handelt, hast du es mit einer reinen Risikoversicherung zu tun, welche der versicherten Person ausschließlich im Todesfall die vertraglich vereinbarte Summe ausschüttet.
  • Auch die sog. prämiengeförderte Zukunftsvorsorge wird fallweise als Lebensversicherung beworben. Hierbei handelt es sich um eine im Einkommenssteuergesetz geregelte Versicherungsform, deren Attraktivität durch eine staatliche Prämie erhöht werden soll. Nichtsdestotrotz ist dieses Angebot mit Vorsicht zu genießen, denn die Erträge sind hier häufig mager und die staatliche Prämie ist nicht konstant.

Es kommt nicht selten vor, dass Konsumenten eine “Pensionslücke” vorgerechnet wird, um sie zum Abschluss einer Lebensversicherung zu “motivieren”. Die Höhe dieser Pensionslücke ist auf jeden Fall zu hinterfragen. Mit wie viel Pension kannst du tatsächlich rechnen?

Ist die Prämie auch im finanziellen Engpass leistbar?

Dies sollte eine der ersten Fragen sein, die du dir zum Thema Lebensversicherung stellst, denn eine Kündigung kann richtig teuer kommen. Dabei sollten nicht bloß die Prämie, sondern ebenfalls allfällige Anpassungen und Nebenkosten im Auge behalten werden:

  • Anbieter werben häufig mit der Dynamisierung von Leistungen, welche unter anderem mit “Wertanpassung” oder “Kaufkrafterhalt” beschrieben wird. Wird die Versicherungssumme bzw. Leistung an einen Index automatisch angepasst, führt dies zum jährlichen Anstieg der Versicherungssumme um zum Beispiel 4%. Es kann durchaus sein, dass die Prämie schließlich die Leistung übersteigt. Begründet wird dies zumeist mit dem Alter und den damit steigenden Risikokosten. Insofern ist diese Prämienanpassung als Neuabschluss mit zusätzlichen Provisionen einzustufen.
  • Die Auswirkungen der Dynamikklausel auf die Prämienhöhe ist selbstverständlich auch bei bereits bestehenden Verträgen zu prüfen. Erweist sich die Prämie als zu kostspielig, kann auf die Dynamikklausel verzichtet werden. Die Prämien- und Versicherungssumme bleibt mit dem Aussetzen der Anpassung stabil.
  • Bezahlt man die Prämie monatlich, viertel- oder halbjährlich, werden sog. Unterjährigkeitszuschläge berechnet, welche ziemlich kostenintensiv sein können. Auf lange Sicht werden diese Zuschläge zu wahren Ertragsfressern. Bei monatlicher Bezahlweise können sie schon mal 6%, bei halbjährlicher Bezahlweise 2% ausmachen. Bei jährlicher Zahlung hingegen fallen diese Spesen weg.

Zahlen sich Zusatztarife aus?

Eine Prämie kann sich aber ebenso aufgrund von Zusatztarifen für, zum Beispiel, eine Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherung verteuern. Doch werden diese wirklich gebraucht? Und erhält man durch diese Kombination einen Preisvorzug? Letzteres kann am besten eruiert werden, indem man einfach Vergleichsangebote für Einzeltarife einholt und diese dann mit der Prämie für die Lebensversicherung ohne Zusatztarif vergleicht.

Wer hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?

  • Hole dir stets mehrere Versicherungsangebote ein: Auch wenn bei sicherer Veranlagung in festverzinsliche Wertpapiere keine enormen Ertragszuwächse zu erwarten sind, so können die Kosten der Versicherungen dennoch entscheidend variieren. Eine Erhebung der AK über die Zukunftsvorsorge zeigt zum Beispiel, dass die Abschlusskosten bei 8 Anbietern zwischen 340 und 1440 Euro liegen können. Vor allem, wenn die Produkte ähnliche Erträge am Geld- und Kapitalmarkt bringen, sollten die Kosten unbedingt als Entscheidungskriterium für die Wahl herangezogen werden.
  • Achte bei Angeboten darauf, dass der effektive Garantiezinssatz angegeben wird, da er anfallende Kosten miteinschließt. Seit 1.1.2016 sind Versicherer dazu verpflichtet diese Angabe vor Vertragsabschluss zu erteilen. Sie ist eine Renditekennzahl, die darüber Auskunft gibt, wie viel nach Abzug der Kosten tatsächlich übrig bleibt. Eine weitere Kennzahl, auf die es sich lohnt einen Blick zu werfen, ist die effektive Gesamtverzinsung. Diese gibt den voraussichtlichen, aber unverbindlichen Gesamtertrag an, mit dem nach Kostenabzug zu rechnen ist. Es ist gesetzlich geregelt, dass dem Kunden vor Vertragsabschluss bei allen kapitalbildenden Lebensversicherungen eine tabellarische Darstellung der Kosten vorgelegt werden muss. Letztere enthält ebenso die sog. Sparprämie, einen Teil der Prämie, der weder für die Risikoprämie (Sterblichkeitsrisiko) noch für Kosten des Versicherungsunternehmens verwendet wird.
  • Unterscheide zwischen vertraglich garantierten und unverbindlichen Leistungen. Letztere sind üblicherweise in einer Fußnote angeführt. Zumeist steht auch dabei, dass sie auf “derzeitigen Gewinnbeteiligungen bzw. Ausschüttungen” basieren. Zwischen garantierten Leistungen – beispielsweise garantiertem Ablaufkapital oder garantierter Rentenzahlung pro Monat – und voraussichtlichen bzw. unverbindlichen Leistungen – zum Beispiel der geschätzten Rentenzahlung inkl. Gewinnbeteiligung oder der Versicherungssumme samt Gewinnbeteiligung – können große Differenzen bestehen.
  • Es gibt auch schon klassische Lebensversicherungen ohne vertraglichen Garantiezinssatz. In diesem Fall sollte erfragt werden, wie der Wegfall der Garantieverzinsung ausgeglichen wird.

Rücktrittsrecht

Du hast ein weitaus besseres Angebot gefunden oder willst dir die Lebensversicherung doch nicht leisten? Kein Problem! Bei Lebensversicherungen gibt es nämlich ein 30-tägiges Rücktrittsrecht ab Abschluss des Vertrags. Innerhalb dieser Frist kann der Vertrag ohne Weiteres revidiert werden.

Vorzeitige Kündigung

Falls du die Lebensversicherung frühzeitig auflösen möchtest, solltest du Folgendes erwägen:

  • Erkundige dich vorerst über die Kündigungsmodalitäten, denn ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Vertrag kann teuer werden.
  • Achte ebenso auf den sog. Rückkaufswert, der im Kündigungsfall der Auflösungswert ist. Dieser muss in der Polizze angeführt sein. Je früher die Kündigung des Vertrags erfolgt, desto niedriger fällt auch der Rückkaufswert im Vergleich zur Gesamtsumme der einbezahlten Prämien aus.
  • Eine Alternative zur Kündigung ist die Teilprämienfreistellung oder Prämienfreistellung: Dabei wird die Prämienzahlung entweder teilweise oder ganz ausgesetzt, der Vertrag bleibt weiterhin aufrecht. Die Vertragssumme, die bei Ablauf des Vertrags ausbezahlt wird, wird dementsprechend neu berechnet. Die Verwaltungskosten laufen aber auch bei Prämienfreistellung weiter!

Nach Vertragsende: Kapitalleistung oder doch lieber Rentenzahlung?

Du hast gewissenhaft viele Jahre lang in die Lebensversicherung eingezahlt, und jetzt läuft der Vertrag aus. Welche Option ist nun attraktiver für dich: ein Batzen Geld auf einmal oder eine monatliche Rentenzahlung? Um diese Frage rasch beantworten zu können, reicht ein Vergleich der Kapitalleistung, die du sofort erhalten würdest, mit der Summe der vorgerechneten monatlichen Rentenzahlungen für ein angenommenes Lebensalter.

Die Entscheidung kann selbstverständlich auch hinsichtlich des aktuellen Kapitalbedarfs gefällt werden, also je nachdem, ob mit dem Betrag ein Kredit getilgt werden soll oder eine größere Anschaffung geplant ist.

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