Kredit

Derzeit gibt es 3 Millionen Kreditnehmer in Österreich – Tendenz steigend. Dies ist weit mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung in Österreich. Dennoch gilt es an dieser Stelle zu erwähnen, dass nunmehr auch Studenten und Pensionisten als kreditwürdig bzw. kreditfähig angesehen werden, was früher nicht der Fall war.

Schon seit Langem haben Sparkassen und Banken das Privatklientel für sich entdeckt und machen lukrative Geschäfte mit der Vermittlung von Darlehen und Privatkrediten. Ebenso werden Kreditkarten, die gewissermaßen eine Mini-Kredit-Funktion erfüllen, den Kunden beinahe nachgeworfen.

Wofür werden Kredite aufgenommen?

Es gibt durchaus Situationen im Leben des “Normalbürgers”, welche die Aufnahme eines Kredits rechtfertigen:

  • Grunderwerb
  • Wohnungskauf
  • Generalsanierung von Haus oder Wohnung
  • Energiesparmaßnahmen wie Wärmepumpe, Solaranlage, Pelletsheizung usw.
  • Firmeninvestitionen
  • Unterstützung der Kinder
  • Umschulden teurer Kontoüberziehungen zwecks Eigenkontrollfunktion und besserer Konditionen
  • etc.

Wahl der richtigen Kreditform

Der Kreditnehmer kann je nach Anlass zwischen unterschiedlichen Kreditformen wählen, die jeweils nach Laufzeit und Höhe variieren.

Kurzfristige Kredite

Kreditformen in dieser Kategorie haben eine Laufzeit von bis zu einem Jahr und decken Beträge bis maximal 5.000 Euro ab. Diese sind:

  • Kontorahmenkredit
  • Kreditkarten
  • Kontoüberziehung
  • Versandhauskredit

Mittelfristige Kredite

Die Kreditarten in dieser Kategorie haben eine Laufzeit von 1 bis 5 Jahren und decken Kreditbeträge von 5.000 bis 15.000 Euro ab. Dazu zählen:

  • Privat- bzw. Konsumkredit
  • Kontorahmenkredit
  • Überbrückungskredit
  • Leasing

Langfristige Kredite

Wie der Name bereits andeutet, haben folgende Kreditarten eine Laufzeit von 6 Jahren und mehr und decken Beträge ab 15.000 Euro aufwärts ab:

  • Bausparkredit
  • Privat- bzw. Konsumkredit
  • Hypothekarkredit
  • Endfälliges Darlehen
  • Fremdwährungskredit
Anne Frank

Ich denke nicht an all das Elend, sondern an die Schönheit, die trotz allem verbleibt.

Wichtige Überlegungen vor der Kreditaufnahme

Sinnhaftigkeit des Kredits

Bevor du dich dafür entscheidest einen Kredit aufzunehmen, halte einmal inne und stell dir die Frage, wie dringlich bzw. sinnvoll dieser ist und ob er für eine kurzfristige oder langfristige Investition gedacht ist. Willst du damit ein Haus oder eine Wohnung finanzieren, eine größere Firmeninvestition tätigen oder einen beruflich notwendigen KFZ kaufen? Oder hast du bei deinem Arbeitskollegen einen neuen Flatscreen-TV oder ein neues Smartphone entdeckt und musst diese Dinge auf der Stelle selbst haben?

Alternative Privatkredit von Privat

Hast du auch schon die Möglichkeit in Betracht genommen, Geld bei nahen Familienangehörigen auszuborgen? Falls du kein notorischer Schnorrer bist, werden diese gewiss Verständnis für den Kreditbedarf aufbringen und haben vielleicht auch das notwendige Kleingeld.

Dass die Raten in diesem Fall pünktlich und gewissenhaft zurückgezahlt werden, versteht sich von selbst. Auf welche Zinshöhe man sich hier einigt, ist Privatangelegenheit. Sicher ist, dass man dabei günstiger aussteigt als bei der Bank. Bei fairen Zinsen und anstandsloser Rückführung derartiger Privatdarlehen profitieren also beide Seiten.

Frage der Kreditwürdigkeit

Bevor du ein Kreditgespräch vereinbarst, wirf unbedingt einen objektiven Blick auf deine finanzielle Lage. Eine Haushaltsrechnung wie auch eine Vermögensaufstellung können dabei helfen, herauszufinden, welche Kreditrate monatlich leistbar ist.

Kalkuliere großzügig, damit du auch für unerwartete Ausgaben Geld zur Verfügung hast. Ebenso sollten eventuelle Einkommensverluste mitberücksichtigt werden. Bei variabler Verzinsung kann es zudem vorkommen, dass bei steigenden Zinsen die monatliche Kreditrate höher wird. Für diesen Fall sollte ein dementsprechendes finanzielles Polster miteingeplant werden.

Neben Alter und persönlichem Eindruck, ist die Kreditwürdigkeit außerdem von den vorhandenen Kreditsicherheiten abhängig. Bei kleineren Krediten reicht bereits ein Einkommensnachweis wie etwa ein Lohnzettel, eine Gehaltsbestätigung oder Einkommenssteuererklärung. Bei unsicheren bzw. größeren Kreditwünschen sind dann schon zusätzliche Sicherheiten notwendig: Vinkulierung von Pensions-, Lebensversicherungen, Immobilien, andere Vermögensgegenstände oder Bürgen können die Entscheidung der Bank positiv beeinflussen und sich ebenfalls günstig auf die Kreditzinsen sowie die Bearbeitungsgebühr auswirken.

Vorsicht ist bei Versicherungspaketen geboten, die zu diesem Zwecke von manchen Banken offeriert werden. Diese sind oft sehr umfassend und beinhalten Leistungen bei Berufsunfähigkeit, Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Ablebensfall. Der AK zufolge werden diese sehr kostspieligen Pakete fallweise nicht ausreichend erklärt oder einfach so “mitverkauft”.

Kreditgespräch und Vertragsabschluss

Mehrere Angebote einholen

Um den für dich optimalen Kredit zu finden, hole dir erst einmal mehrere Angebote ein, um einen Vergleich ziehen zu können. Achte dabei in erster Linie auf den Effektivzinssatz sowie den zu begleichenden Gesamtbetrag. Im effektiven Jahreszinssatz sind nämlich auch die Spesen und Gebühren der Bank inkludiert. Bei manchen Instituten fallen neben dem Nominalzinssatz zusätzliche monatliche Gebühren an. Lies deshalb den Vertrag genau durch, auch das Kleingedruckte, und entscheide dich keinesfalls für das erstbeste Angebot.

Zinssatz und Marge verhandeln

Verhandle beim Kreditgespräch unbedingt die Höhe des Zinssatzes und sprich über die Marge bzw. die Höhe des Aufschlages, an welchem die Bank verdient und welcher auf die banklichen Refinanzierungskosten aufgeschlagen wird. Unter letzteren sind Kosten zu verstehen, die die Bank für den “Einkauf” des benötigten Geldes aufwendet.

Bonität betonen

Je besser deine Bonität, d.h. je kreditwürdiger du bist, desto günstiger fallen Zinssatz und Bearbeitungsgebühren aus. Aus diesem Grund solltest du diesen Faktor auf alle Fälle besonders hervorheben.

Nutzung von Niedrigzinsphasen

Du kannst auch für Fixzinssatzvereinbarungen Niedrigzinsphasen nützen. Dabei sollte allerdings bedacht werden, dass mit der Dauer der Fixzinsphase auch der Unterschied zu variablen Verzinsung größer wird.

Fixzinssätze finden sich oft nur im Hypothekarkreditbereich bei Darlehen mit Laufzeiten zwischen 1 und 10 Jahren.

Was ist bei Fixzinsangeboten zu beachten?

Eine Fixzinsvereinbarung kann entweder für einen gewissen Zeitraum oder für die Gesamtlaufzeit des Kredits getroffen werden. Entscheidet man sich für die erstere Variante, sollte bereits beim Vertragsabschluss eine dementsprechende Zinsanpassungsklausel sowie die Marge für danach vereinbart werden. Ferner ist es ratsam, bei Fixzinsvereinbarungen folgende Punkte mitzubedenken:

  • Kredite mit Fixzins sind häufig höher verzinst als variabel verzinste Kredite.
  • Je länger die Dauer der Fixzinsperiode, desto höher die Kosten für die Zinsgarantie.
  • Bei Fixzinsvereinbarungen kann eine vorzeitige Rückzahlung zusätzliche Spesen – die sog. Vorfälligkeitsentschädigung – zufolge haben.

Standardinformation und Tilgungsplan

Banken sind verpflichtet ihre Kunden vorvertraglich zu informieren. Die genauen Informationspflichten sind im Formular “Europäische Standardinformation für Kreditierung nach dem Verbraucherkreditgesetz” angeführt. Lass dir dieses Formular aushändigen und bestehe auf einen Tilgungsplan.

Aufpassen bei Kreditvermittlern

Falls du dich an einen Personalkreditvermittler wendest, darf dieser nie mehr als 5% der vertraglich vereinbarten Kreditsumme für die Vermittlung verrechnen. Ebenso ist es dem Makler nicht gestattet, Nebenspesen, etwa für Kopien oder Bearbeitungsgebühren, zu verlangen.

Henry Ward Beecher

Reichtümer sind kein Lebenszweck, sondern ein Lebensinstrument.

Nach der Kreditaufnahme

Natürlich ist das rechtzeitige Rückzahlen der Raten oberstes Gebot. Trotzdem kann es vorkommen, dass sich die eine oder andere Kreditrate wegen besonderer Umstände nicht ausgeht. In solchen Situationen sollte man jedoch den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern rechtzeitig den Kreditgeber informieren und mit ihm gemeinsam einen Ausweg suchen.

Dieser könnte beispielsweise in einer Verschiebung der Kreditraten – der sog. Stundung – auf einen späteren Zeitpunkt bestehen. In seltenen Fällen wir auch die Verlängerung der Kreditlaufzeit um die versäumten Raten angeboten. Ebenso besteht die Möglichkeit die Raten zeitweise herabzusenken. Hat man jedoch zu viele Raten versäumt, kann die Umschuldung eine Lösung darstellen.

Außerdem ist bei ganz kulanten Banken ein temporärer Zinsenstopp möglich. Ebenso können eventuelle Kosten einer Stundung verhandelt werden, indem man an das Gewissen des Kreditgebers appelliert, den Kreditnehmer zu unterstützen anstatt an seiner Finanznot zu verdienen.

Kommt der Kreditnehmer seinen Ratenzahlungen prinzipiell nicht nach, muss er mit erheblichen Zuschlägen und Zusatzgebühren rechnen. Ab diesem Moment wird der Kredit dann richtig teuer. Wird jedoch rechtzeitig Kontakt mit dem Kreditgeber aufgenommen, kann hier ein Mahnstopp Abhilfe schaffen.

Wenn der Zahler also auch in Zukunft vorhat, Geld auszuborgen, sollte er sicherstellen, dass seine Bonität bestehen bleibt. Denn Banken sind entsprechend vernetzt und über allfällige Zahlungsschwierigkeiten informiert.

Rücktrittsrecht

Der Kreditnehmer hat das Recht innerhalb von 14 Tagen von einem bereits abgeschlossenen Kreditvertrag zurückzutreten. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind Hypothekarkredite.

Wenn der Kredit abbezahlt ist…

Wurde die Kreditschuld vereinbarungsgemäß getilgt, kann die Devinkulierung von Sicherheiten bzw. etwaigen Eigentumsvorbehalten  beantragt werden.

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